Dr. Abraham
Trepp

Seit 1497 lebte die Familie des Synagogenältesten Abraham in Fulda

Geboren am 24. August 1874 in Fulda.

Seine Familie war tief in Fulda verwurzelt: Die Vorfahren von Dr. Abraham Trepp lebten seit 1497 ununterbrochen in der Stadt. Der Name Trepp leitet sich von der Lage des Stammhauses ab: Uff der Treppen (auf der Treppe).

Facharzt und aktives Mitglied der Gemeinde

Er studierte Medizin in Berlin und spezialisierte sich als HNO-Arzt. Während des Ersten Weltkriegs diente er im Lazarett Fulda und wurde für seinen Einsatz mit dem Eisernen Kreuz zweiter Klasse ausgezeichnet. Neben seiner ärztlichen Arbeit engagierte sich Abraham als einer der Synagogenältesten, sogenannte Parnassim, und war Mitglied des Vorsteheramts der jüdischen Gemeinde.

Verhaftung – Deportation – Flucht

Die Schrecken des Novemberpogroms 1938 trafen ihn unmittelbar: Nach seiner Festnahme am Morgen des 10. November 1938 wurde Abraham gemeinsam mit weiteren Fuldaer Juden im Gesellenhaus (Kolpingverein) inhaftiert. Am darauffolgenden Tag fand die Deportation vom Fuldaer Bahnhof in das Konzentrationslager Buchenwald statt. Während des Zwischenstopps in Hanau wurde Abraham für arbeitsunfähig erklärt und nach Hause entlassen.

Im Februar 1939 gelang ihm die Flucht nach Palästina. Als Folge entzog ihm das NS-Regime am 25. November 1941 die deutsche Staatsangehörigkeit. 

Dr. Abraham Trepp verstarb am 11. Mai 1944 in Jerusalem. 

Adressen in Fulda:

Mittelstr. 5 
Nikolausstr. 8
Nikolausstr. 12 (erster Stock)
Heinrichstr. 16 (erster Stock)

Basierend auf dem nebenstehenden Originalfoto sind alle gezeigten Darstellungen durch den Einsatz künstlicher Intelligenz rekonstruiert worden.

Die Geschichte von Dr. Abraham Trepp steht exemplarisch für die lange Tradition jüdischer Ärztinnen und Ärzte, die das Leben in Fulda über Jahrhunderte mitgestaltet haben. Sie symbolisiert jüdische Präsenz, fachliche Exzellenz und bürgerschaftliches Engagement in der Stadt.

Frühe Wurzeln: Lipmann Trepp in Fulda (ab 1492)

Die Familie Trepp ist seit dem späten Mittelalter in Fulda verankert. Ihr Vorfahr Lipmann Trepp erhielt 1492 vom damaligen Fuldaer Fürstabt Johann II. von Henneberg-Schleusingen die Erlaubnis zum Zuzug nach Fulda. Lipmann Trepp wurde mit einem Haus „uff der Treppen“ ausgestattet, das sich am heutigen Standort Am Stockhaus (bis 1936 Judenberg), angrenzend an die 1938 zerstörte Synagoge, befand. Er übernahm medizinische sowie wirtschaftliche Aufgaben am Fürstlichen Hof und für die jüdische Gemeinde.

Schutzbrief von 1514

Als sogenannter Schutzjude genoss Lipmann Trepp besonderen Schutz und Rechte, die ihm trotz allgemeiner Diskriminierung ein Leben und wirtschaftliches Wirken in der Stadt ermöglichten. Schutzjuden waren jüdische Bewohner, die von der Obrigkeit durch Schutzbriefe abgesichert wurden. Ein solcher Schutzbrief aus dem Jahr 1514, ausgestellt vom Fürstabt Hartmann II. von Kirchberg, belegt die besondere Stellung Lipmann Trepps und gewährte ihm Sicherheit sowie bestimmte Privilegien, oft gegen Zahlung von Schutzgeld oder im Austausch für besondere Dienste.

Jüdische Fürsorge und Vertreibung 1671

Bis 1671 gehörte ein jüdisches Hospital „an der Miste“, heute Schlachthausgasse, zur Infrastruktur Fuldas – ein Zeichen für organisierte soziale und medizinische Fürsorge innerhalb der jüdischen Gemeinde. Im Jahr 1671 vertrieb Fürstabt Bernhard Gustav von Baden-Durlach etwa 2.000 jüdische Bewohner aus dem Hochstift Fulda. Nur fünf Familien, darunter die Familie Trepp, durften in einem Ghetto in der Judengasse im Bereich der Synagoge bleiben.

Militärarzt im Ersten Weltkrieg

Im Ersten Weltkrieg diente Dr. Trepp im Fuldaer Lazarett. Insgesamt kämpften etwa 100.000 jüdische Deutsche im Ersten Weltkrieg, ein Ausdruck ihres patriotischen Engagements und ihrer Verantwortung für das Land.

Dr. Abraham Trepp als HNO-Arzt in Fulda

Als moderner Hals-Nasen-Ohren-Arzt arbeitete Dr. Abraham Trepp im Landkrankenhaus Fulda, dem heutigen Klinikum, und behandelte Patientinnen und Patienten aller Glaubensrichtungen. 1936 wurde ihm jedoch verboten, jüdische Patientinnen im Krankenhaus zu behandeln.

Novemberpogrom 1938 und Flucht

1938 wurde Dr. Trepp während des Novemberpogroms verhaftet und kurzzeitig inhaftiert. 1939 gelang ihm die Flucht nach Jerusalem, wo er 1944 verstarb.

Dr. Abraham Trepp steht für eine bedeutende Linie jüdischer Ärzte, die Fulda medizinisch, sozial und kulturell prägte. Seine Geschichte erinnert an die Bedeutung jüdischen Lebens und Wirkens in der Stadt – und an die Verluste durch Verfolgung und Flucht.

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