„Wir werden bald reisen“ war Reginas letztes Lebenszeichen.
Geboren am 4. November 1885 in Frankfurt am Main.
Seit 1910 lebte Regina Eschwege mit ihrem Mann Gabriel und ihren sechs Kindern in Fulda. Gemeinsam prägten sie das jüdische Leben der Stadt.
Adressen in Fulda:
› Buseckstr. 5
› Buseckstr. 3
› Brauhausstr. 26
› Mittelstr. 25
Abschiedsworte
Reginas letztes Lebenszeichen, verschickt über das Rote Kreuz, lautet: „Wir werden bald reisen.“ Diese Worte kündigten die bevorstehende Deportation an – eine Botschaft voller Hoffnungslosigkeit und ernster Sorge. Am 30. Mai 1942 deportierte man Regina, Gabriel und zwei ihrer Kinder von Fulda nach Sobibor, wo ihr Leben gewaltsam ausgelöscht wurde.
Fulda erlebte drei große Deportationen:
› 8. Dezember 1941: Deportation von 149 Menschen in das Ghetto Riga.
› 30. Mai 1942: Deportation von 43 Menschen in das Vernichtungslager Sobibor, unter ihnen Regina und ihre Familie.
› 5. September 1942: Gewaltsame Verschleppung von 79 Menschen in das Ghetto Theresienstadt.
Von den 271 Jüdinnen und Juden aus Fulda, die zwischen 1941 und 1942 verschleppt wurden, überlebten nur zwölf Menschen.
Deportationen aus Fulda
Alle Fuldaer Jüdinnen und Juden, Kinder, Frauen und Männer, mussten ihre letzte Nacht in Fulda in einer Sporthalle (Rabanusstraße 14) verbringen. Am nächsten Morgen eskortierten Gestapo und Polizei sie zum Bahnhof.
Am Gleis 1 stiegen sie in Personenzüge nach Kassel. Auch in Kassel mussten sie eine Nacht in einer Turnhalle verbringen, bevor sie am darauffolgenden Tag ins Ungewisse weitertransportiert wurden.
Basierend auf dem nebenstehenden Originalfoto sind alle gezeigten Darstellungen durch den Einsatz künstlicher Intelligenz rekonstruiert worden.
1933 veränderte alles
Regina Eschwege wurde 1885 in Frankfurt am Main geboren. Sie war die Ehefrau von Gabriel Eschwege und Mutter von sechs Kindern. Gemeinsam lebten sie viele Jahre in Fulda und prägten das jüdische Leben der Stadt maßgeblich. Doch die zunehmende Verfolgung durch die Nationalsozialisten zerriss ihre Familie und stellte sie vor unvorstellbare Herausforderungen.
Sohn Benjamin berichtet
Ihr Sohn Benjamin, einer der wenigen Überlebenden, erinnert sich an die erschütternden Ereignisse: „Am Morgen der Kristallnacht, dem 9. November 1938, wurden wir von der Schule nach Hause geschickt. Unter allen Juden herrschte eine Atmosphäre des Schreckens. An diesem Abend zündeten die Deutschen die meisten Synagogen an, auch unsere. Die jüdische Schule wurde verwüstet, aber nicht niedergebrannt. Alle Männer zwischen 16 und 60 Jahren wurden in Konzentrationslager gebracht. Mein Vater war genau 60 und wurde verschont. Mein Bruder Meir wurde entführt und verbrachte etwa sechs Wochen im Lager, erlitt Erfrierungen an den Beinen, die amputiert werden mussten. Wegen der Behandlung konnte er Deutschland trotz Erlaubnis nicht verlassen.“
Flucht für die einen und Deportation für die anderen
Die Verfolgung verschärfte sich, und viele jüdische Familien suchten verzweifelt nach Möglichkeiten, ihre Kinder ins Ausland zu bringen. Simon, Julius, Auguste und Benjamin konnten fliehen und entkamen so dem Unheil. Meir und Felix jedoch wurden zusammen mit ihren Eltern deportiert.
Fulda war Schauplatz von drei Deportationen jüdischer Menschen. Die Betroffenen mussten zunächst eine Nacht in der damaligen Turnhalle in der Rabanusstraße verbringen, bevor sie zum Bahnhof gebracht wurden. Von dort aus ging die Fahrt mit dem Zug nach Kassel, wo sie erneut eine Nacht in einer Sammelstelle verbringen mussten. Anschließend erfolgte die Deportation in das Vernichtungslager Sobibor.
Die letzten Worte: Wir werden bald reisen
Kurz vor der Deportation erhielt Benjamin einen Brief seiner Eltern, übermittelt durch ein Sonderformular des Roten Kreuzes. Darin stand nur knapp: „Wir werden bald reisen.“ Diese wenigen Worte kündigten das Unausweichliche an und waren für Benjamin ein seltener Moment tiefster Verzweiflung. Danach verlor die Familie jeglichen Kontakt zueinander.
Die Familie Eschwege wurde am 30. Mai 1942 von Fulda über Kassel ins Vernichtungslager Sobibor deportiert. Dort wurde Regina Eschwege unmittelbar nach der Ankunft ermordet.
Reginas Geschichte macht diese schrecklichen Ereignisse nahbar – sie steht für die vielen Familien, die ihr Leben, ihre Heimat Fulda und ihre Liebsten verloren haben. Ihr Schicksal erinnert uns eindringlich daran, wie wichtig es ist, das Gedenken an diese Zeit wachzuhalten und die Einzigartigkeit jedes einzelnen Lebens zu bewahren.