Adolf
Lehmann

Adolfs kurzes Leben war geprägt von Ausgrenzung, Flucht und Tod.

Geboren am 29. Januar 1931 in Fulda.

Adolf Lehmann wuchs mit seinen Eltern Leo und Anna sowie den Schwestern Eva und Clara in der Heinrichstraße 15 auf. Er besuchte den jüdischen Kindergarten sowie die Schule und ging in die Synagoge, die 1938 von den Nationalsozialisten zerstört wurde. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten beherrschte Angst den Alltag.

Vorübergehende Zuflucht

Während der Novemberpogrome 1938 floh Adolf mit den anderen Kindern vor den Steinwürfen und der Gewalt aus der Schule. Sein Vater wurde ins KZ Buchenwald verschleppt. 1939 gelang es den Eltern, für Eva und Adolf zwei der begehrten Plätze auf einem Kindertransport nach Belgien zu sichern. Die Kinder wurden zunächst in einer Fabrik als erste Anlaufstelle aufgenommen und sollten anschließend in Pflegefamilien vermittelt werden. Für Adolf fand sich jedoch keine, sodass er vorerst dort wohnen blieb. Später zog er in ein Kinderheim und erlebte dort den Einmarsch der Deutschen in Belgien im Mai 1940.

Im Dezember 1940 kehrten Adolf und seine Schwester Eva nach Fulda zurück.

Vom Judenstern bis Auschwitz

Ab September 1941 musste der Zehnjährige den Judenstern tragen. Am 8. Dezember 1941 deportierten die Deutschen Familie Lehmann von Fulda ins Ghetto Riga. Am 3. November 1943 verfrachtete man Adolf in einem Viehwaggon nach Auschwitz, wo er ermordet wurde.

Adresse in Fulda:

Heinrichstr. 15

Basierend auf dem nebenstehenden Originalfoto sind alle gezeigten Darstellungen durch den Einsatz künstlicher Intelligenz rekonstruiert worden.

Kindheit, Flucht und Deportation

Adolf Lehmann kam am 29. Januar 1931 in Fulda zur Welt. Er wuchs in einer Zeit auf, die jüdische Menschen immer stärker bedrohte und verfolgte. Seine frühe Kindheit verbrachte er behütet im jüdischen Kindergarten, den Hilde Baum und Selma Spiro leiteten.

Kindergartengruppe, 1920er Jahre

Ab 1936 besuchte er die jüdische Schule in der Von-Schildeck-Straße. Dort erlebte er die Gewalt des Novemberpogroms 1938 hautnah: Steine flogen durch die Fenster, mehrere Kinder wurden verletzt und auf dem Heimweg bedrohte die Hitlerjugend Adolf und andere Kinder. Dieses Erlebnis machte die Brutalität des Regimes für ihn spürbar.

Um wenigstens die Kinder zu retten, organisierten jüdische und internationale Hilfsorganisationen sogenannte Kindertransporte vor allem nach England, die Niederlande, Frankreich, Palästina und Belgien.

Transport jüdischer Kinder nach dem europäischen Ausland – beschleunigte Passausstellung, 1938

Diese Rettungsaktion brachte jüdische Kinder aus dem nationalsozialistischen Deutschland in Sicherheit. Am 31. Januar 1939 stiegen die Geschwister in Frankfurt in den Zug nach Belgien.

Namensliste des Kindertransports von Wien nach Antwerpen, 1939

In Antwerpen angekommen, trennten sich ihre Wege: Eva fand bei einer belgischen Familie Zuflucht, während Adolf zunächst in der Erstaufnahmestelle der Diamantenfabrik Lipschütz unterkam. Diese Fabrik diente als Sammelpunkt für jüdische Flüchtlinge.

Kindergartengruppe, 1920er Jahre

Für Adolf war sie eine fremde, bedrückende Umgebung, die den schmerzhaften Bruch mit seiner Familie und Heimat noch verstärkte.

Die Trennung von seiner Schwester und der vertrauten Umgebung prägte ihn tief. Nach dem Einmarsch der Deutschen in Belgien im Mai 1940 war eine weitere Flucht unmöglich, und Adolf kehrte nach Fulda zurück. Am 8. Dezember 1941 deportierten die Nationalsozialisten ihn, seine Eltern und Geschwister ins rund 1500 Kilometer entfernte Ghetto Riga – einen Ort voller Leid und Hoffnungslosigkeit. Von dort verschleppten sie ihn am 3. November 1943 ins Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau, wo Adolf ermordet wurde.

Adolfs Geschichte steht stellvertretend für das Schicksal vieler jüdischer Kinder, die durch Flucht und Deportation entwurzelt wurden.

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